10 September 2008

Memories of Matsuko

Ich habe mich endlich dazu entschieden, mich von meinem Freund unabhängig zu machen. Wie das? Ich habe mich selbst bei der Videothek um der Ecke angemeldet. Leider habe ich nicht mehr den Film umsonst bekommen, wenn ich meine alte Karte von der konkurrierenden, mittlerweile geschlossenen Videothek abgebe... Lange Rede kurzer Sinn. Ich habe mir natürlich trotzdem zwei Filme ausgeliehen. Einmal "Sturmhöhe" mit Laurence Olivier. Ich hatte noch nie von ihm gehört. Ich weiß, eigentlich eine Wissenslücke. Dafür habe ich innerhalb einer Woche zwei Filme mit ihm gesehen. Der andere war "Stolz und Vorurteil". Ich will jetzt nicht ihm die Schuld daran geben, aber beide waren nicht sonderlich berauschend...

Der andere war eine japanische Tragikomödie, "Memories of Matsuko". Schon als ich ihn ausgeliehen hatte, da war für mich irgendwie klar, dass ich begeistert sein würde. Nur das Ausmaß dieser Begeisterung war für mich unvorhersehbar. Dieser Film ist eine Biographie, ein Musikfilm, lässt sich von den Bildern und der Erzählweise zu "Die fabelhafte Welt der Amelie" dazugesellen und fesselt vom Anfang bis zum Ende. Es geht um die Geschichte der kleinen Matsuko, die mit 53 Jahren erschlagen auf einer Wiese aufgefunden wird. Ihr Neffe, der bis dahin nicht einmal von ihrer Existenz wusste, wird beauftragt, ihre Wohnung auszuräumen. Und findet dabei vieles über seine Tante heraus. Ihr Sturz von einer Musiklehrerin zur Geliebten, von der Geliebten zur Hostess, von der Hostess zum eigenbrötlerischen Otaku. Der Film ist echt harter Stoff, ich habe bestimmt fünf Mal geweint - und ich spare mir meine Tränen nur für Dinge, die es wirklich wert sind, beweint zu werden. Aber auf einmal lacht man wieder lauthals, weil die ganze Dramatik aufgelockert wird durch irgendwelche lustigen Späße und Gesangseinlagen. Und über dem allen leuchtet Matsukos unerschütterliche Naivität und Liebe. Großes Lob gilt natürlich vor allem der Hauptdarstellerin, Miki Nakatani. Sie ist total süß und spielt die geschlagene Geliebte mit sehr viel Würde und sehr viel Lebendigkeit. Der Film ist sehr bewegend und wenn man ihn einmal gesehen hat, will man nicht mehr ohne ihn sein. Zumindest ich bestelle ihn mir demnächst auf amazon.

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