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03 September 2008
Spaziergang um den Nonnensee
Unser Ferienhaus war ja in der Nähe von Bergen. Und direkt neben Bergen gibt es den Nonnensee. Dass es den noch gibt verdankt man übrigens einer defekten Pumpe, die den See eigentlich trockenlegen sollte. Aber als sie zur Zeit der Wende ausgefallen ist, da hat man diese einfach nicht ersetzt und jetzt gibt es diesen See mit einem fünf Kilometer langen Wanderweg wieder. Ich kann eigentlich nur empfehlen diesen Wanderweg mal abzugehen. Sobald man einigermaßen von der Bundesstraße entfernt ist, ist es dort so ruhig und friedlich, die Vegetation ist sehr abwechslungsreich und es gibt Wiesen, Wälder und Felder. Die zwei Aussichtstürme sind auch sehr schön. Wie gesagt: sehr empfehlenswert, aber nicht actionreich! Naja, wenn man vom Nacktschnecken-Slalom-Lauf mal absieht...
Störtebeker

Das letzte Mal war ich bei den Störtebeker-Festspielen, da war ich noch mit meinem vorherigen Freund zusammen. Da ich mit meinem jetzigen Freund über 4 1/2 Jahre zusammen bin, kann man sich denken, dass das schon lange her ist. Das war noch während der elften Klasse. Damals fand ich das unglaublich gut, wir hatten uns vorher auch die Vogel-Schau angesehen, worauf wir dieses Jahr verzichtet haben. Ich hätte sie gern gesehen, aber ich habe auch eingesehen, dass meine Eltern und meine Schwester, die seitdem jährlich dort waren, keine Lust mehr darauf hatten. Naja, den ganzen Tag über war schönes Wetter gewesen, aber ungefähr eine Stunde vor Beginn hat es auf einmal angefangen zu regnen. Also haben wir uns solche billigen Regenmäntel gekauft, die man einmal benutzt und gleich danach wegwirft. Meiner war gelb. Naja, mit dem Wetterumschwung kamen die Kopfschmerzen. Aber ich dachte: Hey, zumindest die Aufführung wird dich für vieles entschädigen. Naja, leider wurde ich enttäuscht. Ich will nicht sagen, dass ich nicht verstehe, weshalb einige Leute die Störtebeker-Festspiel mögen. Die Pyrotechnik ist wirklich einwandfrei und auch wenn die Kampfszenen doch recht kurz ausfallen, so sind sie zumindest live. Aber mich haben diese humorfreien Zoten extrem gestört, den Höhepunkt der Handlung hat man erst rückblickend als solchen wahrgenommen, den Hauptdarsteller finde ich ehrlich gesagt unsympatisch und da es kein Dolby-Surround dort gibt, musste man - teilweise minutenlang - erst einmal suchen, wer denn gerade spricht. Das Feuerwerk am Ende hat mich jedoch teilweise entschädigt. Hier noch einmal ein Kompliment an die Pyrotechnik, aber noch einmal muss das nicht sein. Und falls doch, nicht noch einmal ganz vorne. So sieht man auch das schlechte Mimenspiel der Schauspieler nicht.
Kap Arkona
Um ehrlich zu sein war ich vom Leuchtfeuer von Kap Arkona ziemlich enttäuscht: Der Aufstieg war sehr teuer (3 Euro für nur eine Aussichtsplattform), die Treppen brauchte man nicht selbst zu zählen, da sie bereits nummeriert waren und der Ausblick letztendlich war nicht sooo berauschend. Das hübscheste war noch das rot gestrichene Gitter. Auf dem unteren Bild sieht man den Sturm auf der Spitze. Das war sehr angenehm.
Was ich ganz schön fand war der Slawische Burgwall. Für einen Euro konnte man eine relativ lange, wild bewachsene Strecke abgehen, wo man die Überreste des Slawischen Burgwalls sehen konnte und am Ende angekommen hatte man meiner Meinung (und auch nach der meines Vaters) den schöneren Ausblick. Kleine Kinder lesen bitte nicht den nächsten Satz. Um ein besonders schönes Foto von der Aussicht zu schießen, bin ich über die Absperrung geklettert und habe dieses hübsche Foto gemacht:
Wenn man dort nach links sieht, hat man eine Bucht mit einem einladenden Naturstrand sehen können. Nachdem wir in einem nahegelegenen Restaurant gegessen hatten (Brathering mit Bratkartoffeln - ich bestand eigentlich nur noch aus Fisch die Woche), haben wir meine Mutter mit einer Menge Zwang zu diesem Strand geschleppt und obwohl sie anfangs überhaupt nicht wollte hatte sie am Ende den meisten Spaß. Sie hat nämlich einen Hühnergott gefunden und sieben Teile von Donnerkeilen. Ich fand es dort auch recht schön, und konnte dieses kleine, interessante Stilleben einfangen:
Am Ende des Strandes ging es hoch zu einem kleinen Fischerdörfchen, wo ich dann endlich das Mitbringsel für meinen Freund gekauft habe. Eine Glasflasche in Form eines Leuchtturms, geschichtet gefüllt mit Zucker, Bourbon-Vanille-Zucker und Sanddorn-Zucker. Hat ihm auch sehr gefallen. Wobei ich dazusagen muss, dass ich, als ich es gekauft habe, dachte, dass es Rüganar Strandsand wäre...
Schwedische Tristesse
Einen Tag haben wir übergesetzt von Sassnitz nach Trelleborg. Die Fahrten selbst waren sehr entspannend. Hauptsächlich habe ich mir die Zeit mit Lesen vertrieben, aber zwischendurch sind wir auch aufs Deck spaziert und haben den Ausblick auf das Meer und den tosenden Wind genossen. Insgesamt acht Stunden haben wir an diesem Tag auf einer Fähre zugebracht. Das Bild, das mein Vater hier aufgenommen hat, ist ziemlich verwackelt. Das lag aber nicht an seiner Unfähigkeit. Jedes Bild, das ich am Abend auf Deck geschossen habe war verwackelt, weil es einfach so windig war, das man selbst unter Aufbietung seiner gesamten Kraft die Kamera nicht stillhalten konnte.
Trelleborg selbst ist eine relativ triste, kleine Stadt. Mein Vater meinte, sie wäre dafür berühmt, die nördlichste Stadt zu sein, in der Palmen die Öffentlichkeit verzieren. Und Palmen gab es dort wirklich einige. Ansonsten hatten wir das Glück, ausgerechnet in der Salesaison dort hingefahren zu sein. Ich habe von meiner Mutter einen Schal für 2 Euro bekommen und wir waren sogar in einem Original schwedischen H&M, wo ich mir eine Brille für einen Euro gekauft habe. Was ich an dem H&M bemerkenswert fand war, dass die Beauty-Abteilung auch Fremdprodukte verkauft hat. Es gab Garnier-Haarfärbemittel und amerikanische Lippenpflegen und vieles mehr.
Was meine Schwester und ich uns fest vorgenommen haben war: unbedingt einen Fransk-HotDog essen und unbedingt skandinavische Eiscreme. Wir waren in unserem Leben schon relativ häufig in Skandinavien und was uns kulinarisch immer hängengeblieben ist, waren diese beiden Dinge. Den Hot Dog haben wir also im Menü für 39 Schwedische Kronen (ca. 4 Euro) gegessen. In Dänemark und Norwegen waren das immer relativ weiche Brötchen, hier war es ein knuspriges Baguette-Brötchen, dort wird ein Loch gestochen, man kann sich aussuchen, ob es mit Senf und/oder Ketchup gefüllt wird. Ich empfehle beides zu nehmen. Schwedischer Senf ist nicht so wie bei uns in Deutschland. Er ist cremiger, ein bisschen wie Remouladen-Sauce, aber eben stärker nach Senf schmeckend und leicht süßlich. Und dann kommt eben eine würzige Rauchwurst in das Brötchen und fertig ist der Fransk-HotDog. Das Eis haben wir zum Ende gegessen, kurz bevor die Fähre wieder nach Deutschland übersetzen sollte. Hunger hatte ich an dem Abend keinen mehr. Dabei habe ich mehr als die Hälfte des Eises meinem Vater aufgedrängt. Dieses Eis ist nämlich unglaublich cremig und fettig. Aber es ist auch unglaublich lecker.
Mein Onkel ging einmal sogar so weit zu behaupten, dass es besser sei als italienisches Eis. Darauf folgte eine heiße Diskussion, denn auch wenn ich skandinavisches Eis wirklich schätze, so liebe ich doch Original italienisches Eis. Als ich vor einigen Jahren in Italien war, haben eine Freundin und ich jeden Tag mindestens zwei Kugeln gegessen. Und es mag daran gelegen haben, dass wir Touristen waren oder auch an der restlichen italienischen Küche, danach war ich um sechs Pfund leichter. Worauf ich eigentlich hinaus will: unbedingt skandinavisches Eis und Fransk HotDog essen!!!
Seit ich vor einigen Jahren in Paris war, habe ich mir angewöhnt, in hiesige Supermärkte zu gehen und dort Süßigkeiten zu kaufen. In Schweden habe ich mir Lakritzkatzen, Lakritzriegel mit Zitronenfüllung, Tutti-Frutti- und Zoobonbons und JoghurtGums in Tierform gekauft. Bisher habe ich nur die Lakritzkatzen angerührt, aber die waren schon mal sehr lecker. Und die Verpackungen sind so süß! Und ich habe insgesamt gerade einmal 3,50 Euro dafür ausgeben müssen. Ich kann nur jedem raten, der gerne Süßes isst, dasselbe zu tun. Nichts ist origineller und günstiger als Lebensmittel aus fremdländischen Supermärkten!Eine Menge Strandspaziergänge
Wenn man auf Rügen ist, verbindet man neben Fischbrötchen natürlich eine Menge Strandspaziergänge damit. Baden natürlich auch, aber letzte Woche war das Wetter nicht so einladend. Aber zumindest mit den Füßen war ich des öfteren im Wasser. Ich mag das Gefühl der Wellen, die um die Füße spielen. Wenn sich die Wellen zurückziehen, aber gleichzeitig von einer neuen, herannahenden Welle bekämpft werden. Die Kraft der Naturgewalten ist einfach beeindruckend. Das da oben sind übrigens meine Füße, die sich in den nassen Sand wühlen ^.^.
Das Bild hier ist aufgenommen am Strand von Prora. Tolles Licht, nicht wahr? Um an diesen Strand zu gelangen muss man erst einmal an einem 4,5 Kilometer langen, ehemaligen Strandbad, das ursprünglich von Hitler erbaut wurde (Kraft durch Freude) und in der sozialistischen Zeit - glaube ich - als Kaserne diente, vorbei. Ziemlich deprimierender Anblick. Der Strand selbst jedoch war sehr schön.
Dieses Bild wurde speziell für diesen Blog aufgenommen. Das bin ich am Strand, mit meinem neuen Tuch aus Schweden. Wie man sieht, war es ziemlich windig, aber ich glaube, ich mochte das Wetter lieber so kühl. Dadurch war man nahezu allein am Strand. Ich bin auch eher eine nordische Seele.
Urlaubslektüre
"Tsugumi" von Banana Yoshimoto
Dieses Buch habe ich das erste Mal gelesen, da war ich gerade ein Teenager und habe wirklich jedes Buch von Banana Yoshimoto verschlungen. Neulich hatte ich mir dann ein neues Buch ausgeliehen, nämlich "Hard-Boiled, Good Luck". Das Buch fand ich ehrlich gesagt so lala, aber irgendwie wollte ich nicht glauben, dass meine Jugenderinnerungen mich dermaßen trügen. Also habe Tsugumi zur Hand genommen. Und auch diesmal war ich nicht enttäuscht.
Banana Yoshimoto versteht es, anrührige Geschichten zu erzählen ohne überzogen anrührig zu sein. Hier schildert sie das Schicksal der kränklichen, aber alles andere als schwächlichen Tsugumi. Jedoch aus dem Blickwinkel ihrer Cousine Maria, die während des Sommers aus Tokio in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Sie verbringen einen heißen Sommer mit allen Höhen und Tiefen. Sie gewinnen neue Freunde, machen sich Feinde.
Das gesamte Buch ist geprägt von dem rebellischen, eigenwilligen Charakter Tsugumis. Diese war von klein auf an immer mal wieder ans Bett gefesselt und hat schnell den Vorteil ihrer Situation erkannt: ihre Familie behandelt sie mit der größten Nachsicht. Und dementsprechend egoistisch, mutwillig zerstörerisch sind auch ihre Handlungen. Sie macht wütend, und doch will sie dem Leser einfach nicht unsympatisch erscheinen. Ein faszinierender, strahlender Charakter in einer faszinierenden Geschichte. Ich finde Tsugumi mit ihrem unersättlichen Hunger auf das Leben einfach unglaublich inspirierend- jedes Mal aufs Neue.
"Sommerdiebe" von Truman Capote
"Anonymität machte einen Teil des Reizes aus, sie fühlte sich dann nicht mehr als Grady McNeil, doch gleichzeitig wusste sie nicht, wer an ihrer Stelle dort stand, [...]" Mit diesem Satz kann man eigentlich das gesamte Buch zusammenfassen, in dem das kleine Upperclass Girl Grady McNeil versucht, der Kühle ihrer Familie und ihres Standes zu entfliehen und dabei immer stärker in einen Sog gezogen wird, der anfangs noch erfrischend neu, aber am Ende eben doch nur beängstigend fremdartig und tief ist. Und am Ende merkt man, dass sie eben doch nur ein Mädchen ist, das mit der Situation, die aus ihrer Rebellion resultiert ist, überfordert ist. Wirklich überzeugend und bildhaft geschrieben, fehlt dem Buch doch etwas Unnennbares. Vielleicht ein befriedigendes Ende?
"Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde
Beim dritten Anlauf habe ich es endlich geschafft. Ich habe meinen persönlichen literarischen Koloss bezwungen. Dorian Gray habe ich als Teenager angefangen, bin auch bis zum Tode Sybil Vanes gelangt, doch dann wurde mir Lord Henry mit seinen Paradoxen zu nervig, und ich habe das Buch erbost in die Ecke geschmissen. Einige Jahre später, es mögen drei gewesen sein, habe ich es erneut zur Hand genommen, und wieder war mir Lord Henry einfach zu zynisch. Doch ich glaube, endlich den Grund dafür herausgefunden zu haben: er spricht unser Empfinden an. Und dieses wehrt sich gegen das, was er sagt. Es stößt ihn ab. Man muss ihn erst leicht nehmen, um ihn erträglich zu finden. Und das kann man noch nicht, wenn man gefangen ist in den Idealen der eigenen Jugend. Diese habe ich zwar nicht abgelegt, aber dafür habe ich mir eine gewisse, für dieses Buch notwendige Gelassenheit angeeignet. Und somit bin ich um eine Erfahrung reicher, die ich nun nicht mehr missen möchte. Dorian Gray, aber vor allem der äußere Einfluss, der ihn zu dem gemacht hat, der er letztlich geworden ist, sind einfach faszinierend. Und es wirft einige Fragen auf. Am Ende habe ich nicht mehr glauben können, dass die Unschuld, die der Maler des berüchtigten Portraits, Basil Hallward, in seinem Modell gesehen hat, jemals vorhanden war. Und man fragt sich eigentlich nur noch: Warum lebst du Dreckskerl weiter?
"Die Freuden der Jugend" von Denton Welch
Orvil Pym. Das ist der Name des Hauptdarstellers dieses Buches. Dieser Name prädestiniert doch, geschlagen zu werden. Wenn man dann auch noch zart ist und einige sehr feminine Ansichten und Hobbies hat, dann kann man sich denken, wie Gleichaltrige auf den armen Namensträger in der Pubertät reagieren. Er hasst die Schule. Das erleben wir jedoch erst einmal nicht. Denn die Geschichte beginnt mit dem Anfang der Sommerferien, die er fernab von seinen Klassenkameraden mit seinem Vater und seinen zwei älteren Brüdern verbringt. Man hat nicht das Gefühl, dass viel passiert in dem Buch. Alles wird mit einer bemerkenswerten Sorgfalt geschildert. Man begleitet Orvil in seinem Versuch, sein Umfeld möglichst zu meiden, und doch seine Wirkung auf seine Umwelt zu verbessern. Er wird sich seiner selbst bewusster. Und doch, trotz aller Fortschritte, beginnt das letzte Kapitel mit seinen alten Ängsten: "Der letzte Ferientag war gekommen, und als Orvil erwachte, sank es ihm mit seiner kalten,schrecklichen Unausweichlichkeit ins Bewußtsein, und er fühlte sich wie abgestorben. Die Gegenstände im Zimmer hatten sich verwandelt. Schrank, Kommode und Stühle waren böse, hämische Beobachter und starrten ihn an in der schadenfrohen Gewißheit, daß er nun zurück in die Schule mußte. Regungslos hockten sie da, hartherzig, ohne eine Spur von Mitgefühl, und warteten darauf, das Zimmer endlich wieder für sich allein zu haben. Selbst die Daunendecke gab sich kalt und abweisend als Komplize zu erkennen." Was man aus dem Buch zieht: Selbst in der kältesten Familie gibt es Liebe. Fraglich ist, ob das auch heutzutage, gut sechzig Jahre später, noch immer der Fall ist.
"Washington Square" von Henry James
Dieses Buch dreht sich um Catherine Sloper, eine reiche Erbin, die trotz verheißungsvoller Gene seitens ihrer Eltern weder Schönheit noch Klugheit zu bieten hat. Ihre Mutter starb kurz nach ihrer Geburt. Und diese kluge, bildschöne Frau bildete seitdem das Ideal Dr. Slopers, das er in seiner Tochter nicht wiederzufinden vermag. Weit davon entfernt, das offen zu zeigen, begnügt er sich jedoch mit sarkastischen Bemerkungen, von denen er - möglicherweise mit Recht - vermutet, dass sie diese sowieso nicht versteht. Erzogen wird sie von einer ewig jugendlich frischen, und ebenso jugendlich romantischen verwitweten Tante. Da wundert es, wie aus ihr ein ruhiger, sanfter Mensch werden konnte, den außer der Umgang mit anderen Menschen kaum etwas zu beunruhigen vermag. Und dann trifft sie ihn: Morris Townsend. Wunderschön, redegewandt, ein charmanter Müßiggänger. Und er interessiert sich für sie, die sie alles andere ist als wunderschön und redegewandt. Ihr Vater durchschaut ihn sofort, lässt den Dingen aber seinen Lauf, da er nichts Ernsthaftes befürchtet. Doch als sie dann ihre Verlobung mit dem jungen Mann bekanntgibt, da stellt er sich quer.
In diesem Buch wird eindrucksvoll geschildert, wie sich Catherine langsam von der Unterdrückung ihres Vaters emanzipiert, wie sie stur ihren Weg geht und am Ende doch ins Straucheln gerät. Ausgezeichnet wird auch dargestellt, in welchen Trümmern ein Mitgiftjäger seine Opfer hinterlassen kann, der mangels zu erwartendem Vermögen einen Rückzieher macht. Dieses Buch beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Entwicklung Catherines, die Handlung wird nur so weit wiedergegeben, wie es für Catherines Entwicklung notwendig ist. Alles in allem ein bemerkenswertes, psychologisches Profil, das sehr feinfühlig erzählt wird.
Dieses Buch habe ich das erste Mal gelesen, da war ich gerade ein Teenager und habe wirklich jedes Buch von Banana Yoshimoto verschlungen. Neulich hatte ich mir dann ein neues Buch ausgeliehen, nämlich "Hard-Boiled, Good Luck". Das Buch fand ich ehrlich gesagt so lala, aber irgendwie wollte ich nicht glauben, dass meine Jugenderinnerungen mich dermaßen trügen. Also habe Tsugumi zur Hand genommen. Und auch diesmal war ich nicht enttäuscht.
Banana Yoshimoto versteht es, anrührige Geschichten zu erzählen ohne überzogen anrührig zu sein. Hier schildert sie das Schicksal der kränklichen, aber alles andere als schwächlichen Tsugumi. Jedoch aus dem Blickwinkel ihrer Cousine Maria, die während des Sommers aus Tokio in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Sie verbringen einen heißen Sommer mit allen Höhen und Tiefen. Sie gewinnen neue Freunde, machen sich Feinde.
Das gesamte Buch ist geprägt von dem rebellischen, eigenwilligen Charakter Tsugumis. Diese war von klein auf an immer mal wieder ans Bett gefesselt und hat schnell den Vorteil ihrer Situation erkannt: ihre Familie behandelt sie mit der größten Nachsicht. Und dementsprechend egoistisch, mutwillig zerstörerisch sind auch ihre Handlungen. Sie macht wütend, und doch will sie dem Leser einfach nicht unsympatisch erscheinen. Ein faszinierender, strahlender Charakter in einer faszinierenden Geschichte. Ich finde Tsugumi mit ihrem unersättlichen Hunger auf das Leben einfach unglaublich inspirierend- jedes Mal aufs Neue.
"Sommerdiebe" von Truman Capote
"Anonymität machte einen Teil des Reizes aus, sie fühlte sich dann nicht mehr als Grady McNeil, doch gleichzeitig wusste sie nicht, wer an ihrer Stelle dort stand, [...]" Mit diesem Satz kann man eigentlich das gesamte Buch zusammenfassen, in dem das kleine Upperclass Girl Grady McNeil versucht, der Kühle ihrer Familie und ihres Standes zu entfliehen und dabei immer stärker in einen Sog gezogen wird, der anfangs noch erfrischend neu, aber am Ende eben doch nur beängstigend fremdartig und tief ist. Und am Ende merkt man, dass sie eben doch nur ein Mädchen ist, das mit der Situation, die aus ihrer Rebellion resultiert ist, überfordert ist. Wirklich überzeugend und bildhaft geschrieben, fehlt dem Buch doch etwas Unnennbares. Vielleicht ein befriedigendes Ende?
"Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde
Beim dritten Anlauf habe ich es endlich geschafft. Ich habe meinen persönlichen literarischen Koloss bezwungen. Dorian Gray habe ich als Teenager angefangen, bin auch bis zum Tode Sybil Vanes gelangt, doch dann wurde mir Lord Henry mit seinen Paradoxen zu nervig, und ich habe das Buch erbost in die Ecke geschmissen. Einige Jahre später, es mögen drei gewesen sein, habe ich es erneut zur Hand genommen, und wieder war mir Lord Henry einfach zu zynisch. Doch ich glaube, endlich den Grund dafür herausgefunden zu haben: er spricht unser Empfinden an. Und dieses wehrt sich gegen das, was er sagt. Es stößt ihn ab. Man muss ihn erst leicht nehmen, um ihn erträglich zu finden. Und das kann man noch nicht, wenn man gefangen ist in den Idealen der eigenen Jugend. Diese habe ich zwar nicht abgelegt, aber dafür habe ich mir eine gewisse, für dieses Buch notwendige Gelassenheit angeeignet. Und somit bin ich um eine Erfahrung reicher, die ich nun nicht mehr missen möchte. Dorian Gray, aber vor allem der äußere Einfluss, der ihn zu dem gemacht hat, der er letztlich geworden ist, sind einfach faszinierend. Und es wirft einige Fragen auf. Am Ende habe ich nicht mehr glauben können, dass die Unschuld, die der Maler des berüchtigten Portraits, Basil Hallward, in seinem Modell gesehen hat, jemals vorhanden war. Und man fragt sich eigentlich nur noch: Warum lebst du Dreckskerl weiter?
"Die Freuden der Jugend" von Denton Welch
Orvil Pym. Das ist der Name des Hauptdarstellers dieses Buches. Dieser Name prädestiniert doch, geschlagen zu werden. Wenn man dann auch noch zart ist und einige sehr feminine Ansichten und Hobbies hat, dann kann man sich denken, wie Gleichaltrige auf den armen Namensträger in der Pubertät reagieren. Er hasst die Schule. Das erleben wir jedoch erst einmal nicht. Denn die Geschichte beginnt mit dem Anfang der Sommerferien, die er fernab von seinen Klassenkameraden mit seinem Vater und seinen zwei älteren Brüdern verbringt. Man hat nicht das Gefühl, dass viel passiert in dem Buch. Alles wird mit einer bemerkenswerten Sorgfalt geschildert. Man begleitet Orvil in seinem Versuch, sein Umfeld möglichst zu meiden, und doch seine Wirkung auf seine Umwelt zu verbessern. Er wird sich seiner selbst bewusster. Und doch, trotz aller Fortschritte, beginnt das letzte Kapitel mit seinen alten Ängsten: "Der letzte Ferientag war gekommen, und als Orvil erwachte, sank es ihm mit seiner kalten,schrecklichen Unausweichlichkeit ins Bewußtsein, und er fühlte sich wie abgestorben. Die Gegenstände im Zimmer hatten sich verwandelt. Schrank, Kommode und Stühle waren böse, hämische Beobachter und starrten ihn an in der schadenfrohen Gewißheit, daß er nun zurück in die Schule mußte. Regungslos hockten sie da, hartherzig, ohne eine Spur von Mitgefühl, und warteten darauf, das Zimmer endlich wieder für sich allein zu haben. Selbst die Daunendecke gab sich kalt und abweisend als Komplize zu erkennen." Was man aus dem Buch zieht: Selbst in der kältesten Familie gibt es Liebe. Fraglich ist, ob das auch heutzutage, gut sechzig Jahre später, noch immer der Fall ist.
"Washington Square" von Henry James
Dieses Buch dreht sich um Catherine Sloper, eine reiche Erbin, die trotz verheißungsvoller Gene seitens ihrer Eltern weder Schönheit noch Klugheit zu bieten hat. Ihre Mutter starb kurz nach ihrer Geburt. Und diese kluge, bildschöne Frau bildete seitdem das Ideal Dr. Slopers, das er in seiner Tochter nicht wiederzufinden vermag. Weit davon entfernt, das offen zu zeigen, begnügt er sich jedoch mit sarkastischen Bemerkungen, von denen er - möglicherweise mit Recht - vermutet, dass sie diese sowieso nicht versteht. Erzogen wird sie von einer ewig jugendlich frischen, und ebenso jugendlich romantischen verwitweten Tante. Da wundert es, wie aus ihr ein ruhiger, sanfter Mensch werden konnte, den außer der Umgang mit anderen Menschen kaum etwas zu beunruhigen vermag. Und dann trifft sie ihn: Morris Townsend. Wunderschön, redegewandt, ein charmanter Müßiggänger. Und er interessiert sich für sie, die sie alles andere ist als wunderschön und redegewandt. Ihr Vater durchschaut ihn sofort, lässt den Dingen aber seinen Lauf, da er nichts Ernsthaftes befürchtet. Doch als sie dann ihre Verlobung mit dem jungen Mann bekanntgibt, da stellt er sich quer.
In diesem Buch wird eindrucksvoll geschildert, wie sich Catherine langsam von der Unterdrückung ihres Vaters emanzipiert, wie sie stur ihren Weg geht und am Ende doch ins Straucheln gerät. Ausgezeichnet wird auch dargestellt, in welchen Trümmern ein Mitgiftjäger seine Opfer hinterlassen kann, der mangels zu erwartendem Vermögen einen Rückzieher macht. Dieses Buch beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Entwicklung Catherines, die Handlung wird nur so weit wiedergegeben, wie es für Catherines Entwicklung notwendig ist. Alles in allem ein bemerkenswertes, psychologisches Profil, das sehr feinfühlig erzählt wird.
30 August 2008
Bento #13
Dieses Bento wurde für die Störtebeker-Festspiele gepackt. Neben dem phantastischen, aber unbestreitbar zu kurzem Feuerwerk der einzige Lichtblick des viel zu langen Abends. Aber was will ich auch erwarten. War ja schließlich Bento #13.

oben: Vollkornsandwich mit Gurke, Tomate und frisch geräuchertem Aal
unten: Gurkenscheiben, Tomaten, kinder Schokobons, Gummibärchen, geröstete Vollkorntoaststäbchen und Aprikosenkonfitüre
Vielleicht nicht unbedingt das gesündeste Bento, aber dafür perfekt für das kalte, windige Rügen.

oben: Vollkornsandwich mit Gurke, Tomate und frisch geräuchertem Aal
unten: Gurkenscheiben, Tomaten, kinder Schokobons, Gummibärchen, geröstete Vollkorntoaststäbchen und Aprikosenkonfitüre
Vielleicht nicht unbedingt das gesündeste Bento, aber dafür perfekt für das kalte, windige Rügen.
Bento #11
Dieses Bento habe ich mir zusammengestellt für die Hinfahrt nach Rügen:

oben: Vollkornsandwich mit Salat, Gurke und Salami oder Spiegelei
unten: Spongebob-Kekse (Thaddeus), Gurkenscheibchen, Grapefruit und Feige
Alles den Abend zuvor zubereitet, war leider meine letzte Feige aus Berlin und die Gurkenscheiben werden uns die ganze Woche verfolgen...

oben: Vollkornsandwich mit Salat, Gurke und Salami oder Spiegelei
unten: Spongebob-Kekse (Thaddeus), Gurkenscheibchen, Grapefruit und Feige
Alles den Abend zuvor zubereitet, war leider meine letzte Feige aus Berlin und die Gurkenscheiben werden uns die ganze Woche verfolgen...
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